Forschungsverbund Agrarökosysteme München
Wege zu einer umweltschonenden Landwirtschaft


Klostergut Scheyern Das 150 ha große Gut der Benediktinerabtei Scheyern liegt inmitten des Tertiärhügellandes, ca. 40 km nördlich von München. Bei Projektbeginn 1990 stellte es einen Landschaftsausschnitt mit typischen Problemen einer intensiv genutzten Agrarlandschaft dar: Erosion, Bodenverdichtung, Grundwasserbelastung, Artenarmut durch einen geringen Anteil an Hecken und Feldrainen. Nach einer zweijährigen Bestandsaufnahme mit einheitlicher Nutzung wurde das Versuchsgelände im Herbst 1992 umgestaltet, zwei Bewirtschaftungsysteme (114 ha) und Parzellenversuchsflächen (38 ha) eingerichtet.

Höhenlage und Topographie Das stark hügelige Gelände des Versuchsgutes liegt zwischen 450 m und 490 m über dem Meeresspiegel. An den Hängen ist die Bewirtschaftung erschwert und die Erosionsgefahr erhöht.

Klima Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei 7,4 Grad C, die Niederschlagssumme bei 843 mm/Jahr.

Böden Auf dem Versuchsgut ist eine große Zahl verschiedener Bodentypen anzutreffen. Die Tongehalte schwanken von 9-45%. Es dominieren Braunerden mit in der Regel geringmächtigen Lößlehm-Auflagen. Die Ackerzahlen - sie geben Auskunft über die Bodenbonität und die Bewirtschaftungsbedingungen - sind als mittelmäß bis gut einzustufen.

Integrierter Pflanzenbau Ökologischer Landbau
Düngung nach Pflanzenentzug
Pflanzenschutz nach Schadschwellen
Bewirtschaftung nach den Richtlinien der
Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (AGÖL)
46 ha Betriebsfläche 68 ha Betriebsfläche
66% Acker, 4% Grünland, 20% Brache, 1% Gehölze, 5% Raine-Ranken-Säume 46% Acker, 37% Grünland, 6% Brache, 2% Gehölze, 5% Raine-Ranken-Säume
  1. Kartoffeln
  2. Winterweizen (Senf-Schutzfrucht)
  3. Mais
  4. Winterweizen (Rübsen-Schutzfrucht)
  1. Luzerne-Klee-Gras
  2. Kartoffeln (Senfbeisaat)
  3. Winterweizen (Zwischenfrucht)
  4. Sonnenblumen (Untersaat von 5)
  5. Luzerne-Klee-Gras
  6. Winterweizen
  7. Winterroggen (Untersaat von 1)
  • Ø Schlaggröße 4,3 ha
  • Bodenzahlen 45-68
  • Ø N-Zufuhr 170 kg/ha (mineralisch+betriebseigene Gülle)
  • Ø P-/K-Zufuhr 17/47 kg/ha (betriebseigene Gülle)
  • Ø P-/K-Abfuhr 23/95 kg/ha (Ernte)
  • reduzierte Bodenbearbeitung ohne Pflug
  • Mulchsaat (1)
  • Pflanzenschutzmittel
  • mineralischer Stickstoffdünger
  • organischer Dünger (Gülle)
  • Tierhaltung: Bullenmast (simuliert*)
    49 Fleckviehbullen
    34,3 GVE
    3,7 GVE/ha Gesamtfutterfläche
    0,5 DE/ha zu düngender Fläche
    Vollspaltenboden-Laufstall*
    Lieschkolbenschrotsilage
    * Austausch des eigenerzeugten Maises mit der äquivalenten Güllemenge benachbarter Bullenmäster
  • Ø Schlaggröße 2,2 ha
  • Bodenzahlen 37-66
  • Ø N-Zufuhr 68 kg/ha (betriebseigener Festmist)
  • Ø P-/K-Zufuhr 33/75 kg/ha (betriebseigener Festmist)
  • Ø P-/K-Abfuhr 18/94 kg/ha (Ernte)
  • Pflugeinsatz nach Bedarf
  • Untersaaten
  • organischer Dünger (Festmist, Gülle)
  • Tierhaltung: Mutterkuhhaltung
    30 Kühe (Fleckvieh, Limousin, Pinzgauer)
    1 Bulle (Angus), Kälber und Absetzer (2)
    80 GVE
    2 GVE/ha Gesamtfutterfläche
    0,6 DE/ha zu düngender Fläche
    Sommer: Ganztagsweide
    Winter: Streuschicht-Laufstall
    Gras-Silage, Luzerne-Klee-Gras-Silage, Heu und Mineralstoffe
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Untersuchungsmethode Auf den Flächen des Klostergutes werden umfangreiche Freilandmessungen durchgeführt. Auf Parzellen werden ergänzende Versuche, z.B. zur Bodenbearbeitung angelegt (3). Zur Überprüfung von Feldanalysen wird "der Acker ins Labor geholt" (4). Außerdem werden wichtige Vorgänge im Boden und in der Pflanze an Modellökosystemen studiert. Hierzu werden beispielsweise 2 m lange, ungestörte Bodensäulen untersucht. Daten werden in zwei unterschiedlichen Bereichen erhoben: Im unbelebten, abiotischen Bereich wird beispielsweise die chemische und physikalische Zusammensetzung des Bodens untersucht. Dazu wurden Bodenprofile gegraben (5), wird die Versickerung der Niederschläge im Boden gemessen oder die Abspülung von Boden, Dünger und Pflanzenschutzmitteln in Bäche und Teiche untersucht (6).

Im belebten, biotischen Bereich werden Pflanzen- und Tierarten erfaßt und in ihrer Entwicklung beobachtet (7,8). Schwerpunkte bilden das Ausbreitungsverhalten und Nahrungsnetze.

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  Fotonachweis: Albrecht, Fromm, Goddeng, Kainz, Mühlbauer, Scheinost

Landschaftsgestaltung Bei der Umgestaltung wurden besonders die Ziele des integrierten Naturschutzes verwirklicht: Schutz von Boden, Wasser und Luft; regionaltypischer Flora und Fauna wurden durch Maßnahmen der Landschaftsgestaltung neue Lebensmöglichkeiten geboten; das Landschaftsbild wurde bereichert.

 
Verkleinerung der landwirtschaftlichen Schläge

Neuanlage von Waldrändern, Hecken, Säumen, Brachflächen

Abstandsstreifen entlang empfindlicher Lebensräume wie Teiche oder Bäche

Grünlandansaat an Steilhängen und in Auen

Anlage von Abfluß-Rückhaltebecken

 
Kartenmaterial von TPE3.1 Armin Müller, Ruth Lang

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